Kunst

Ausstellung „Self Play“ über Masturbation: „Eine Sammlung weiblicher Orgasmen“

Selbstermächtigung durch Selbstbefriedigung – das ist das Motto der Ausstellung „Self Play“ im Kunstraum kma71. Wir trafen die Kuratorinnen zum Interview

© Sally B.

16.02.18 – Die Mitmach-Ausstellung „Self Play“, bei der es um weibliche Perspektiven auf Masturbation und Pornografie geht, läuft noch bis zum 24. Februar im kma71. Kuratiert wurde sie von den Designerinnen Joana Francener und Louise Yau. Wir baten sie, das Projekt vorzustellen

In „Self Play“ geht es um Porno und um Masturbation. Erzählt mal: warum macht ihr das?
Joana:
Ich möchte den Leuten zeigen, dass Pornografie nicht per se schlecht ist und Frauen degradiert, sondern auch ermächtigend sein kann. Es geht uns um die Thematisierung weiblicher Lust. Die bleibt viel zu oft unsichtbar und unbefriedigt. Die Herausforderung war, das sehr persönliche Thema in eine sinnliche Form zu bringen. Pornografie bot sich als Medium geradezu an. Wir projizieren Videoclips an die Decke. Rechts daneben in der Kabine gibt es Literaturzitate und eine Audiosammlung weiblicher Orgasmen.
Louise: Masturbation, vor allem weibliche, ist eines der letzten Tabus. Doch sie sollte nichts sein, wofür man sich schämen muss.

Eure Ausstellung will zum „selber machen" einladen...
L:
Wir möchten, dass die Ausstellung keine Einbahnstraße ist. Deshalb haben wir neben Video, Audio und Literatur auch einen interaktiven Raum – in der Klokabine.
J:
Die Besucher können dort auf die Wände schreiben oder Fotos von sich machen. Die Ausstellung ist ein Prozess. Leere Wände werden erst nach und nach gefüllt. Unter anderem mit den Ergebnissen der beiden Workshops, am 11. und am 17. Februar.

Was macht ihr in den Workshops?
J:
Der erste Workshop beschäftigt sich mit Pornografie, der zweite mit Selbstbefriedigung und Scham. Die Idee ist, Erfahrungen auszutauschen und sich dem Thema über Fragen und Gruppenarbeiten spielerisch zu nähern.

Euer Plädoyer für Pornografie und Masturbation erinnert an die „feminist sex wars“ der 1980er. Damals standen sich Anti-Porno-Feministinnen und sexpositive Feministinnen unversöhnlich gegenüber. Warum muss eine junge Generation das nochmal aufrollen?
J:
Geschichte wiederholt sich. Wieder rufen einige Feministinnen „Verbieten! Verbieten!“, sobald irgendwo ein Sexshop eröffnet. Ich finde hingegen, Zensur und Verbote ersticken jedes Gespräch. Und es gibt ja auch ganz andere Pornos: Feministinnen drehen proaktiv ihre eigenen Filme.

Also frei nach Gandhi: „Dreh die Pornos, die du selbst in der Welt sehen möchtest“...
L:
…genau, großartig!
J: Es gibt ein Bild-Lexikon oder eine Ikonografie männlicher Lust. Aber wo sind die Frauen? Wo sind Personen jenseits der binären Einteilung der Geschlechter? Das müssen wir ändern.

Interview: Paula Lochte


„Self Play“, noch bis 24.02. im kma71, Karl-Marx-Allee 71-75
Sa 15-18:00, So 13-18:00 und nach Vereinbarung

Workshop am 17.02. zum Thema „Selbstbefriedigung und Scham“

www.kma71berlin.de
www.feel-free.org

http://www.feel-free.org




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