Polemik

Parallelgesellschaft Bayern! Zwischen Jesus-Pin-ups und Gottesbunker

Erst sorgte Seehofers Heimatministerium für Lacher, jetzt möchte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder in Amtsstuben gerne Kreuze aufhängen. Eine Polemik von Daniel Call

Horst Seehofer & Markus Söder © Freud (https://commons.wikimedia.org/wiki/User:Freud), CC BY-SA 3.0

26.04.18 – Der Bajuware an sich ist ja grundsätzlich kein schlechtes Wesen. Hierzulande kennt man ihn aufgrund seiner eigentümlichen Sprache und knorrigen Natur. Er ist ein Geflüchteter, das muss man im Umgang mit ihm immer im Hinterkopf behalten, und man sollte ihn dringend integrieren, denn sonst baut er sich eine entsetzliche Parallelgesellschaft auf, deren Metastasen man ab einem gewissen Punkt nicht mehr bestrahlen kann.

Er errichtet Hofbräuhäuser, wo er geht und steht, veranstaltet Oktoberfeste und überrollt den Normaldenkenden mit seiner Fremdkultur, bis dieser sie klaglos akzeptiert – so als gelte der Slogan „Bayern gehört zu Deutschland“. Und, hast-Du-nicht-gesehen?, steht die Frage im Raum: Wovor ist er denn geflüchtet, der Bayer, wenn er unsere Kultur in diesem Maße bajuwarisieren will?

Um ein differenziertes Bild des Gesamtkonflikts darzustellen, sollte man den Blick auf das Krisengebiet und seine schwierige Historie richten: Bayern war von jeher zerrissen durch Stammeskriege. Da focht der Unterfranke gegen den Oberfranken, dieweil diesem der Mittelfranke das Hirn zu Weichkäse verarbeitete, und irgendein Bayernschwabe ging auf das Allgäu los, dieweil sich Niederbayern und Oberbayern gegenseitig den Krieg erklärten. Boko Haram ist ein Scheißdreck dagegen. Doch Gott hatte ein Einsehen und sandte den zerstrittenen Barbaren FJS – den Franz, den Josef, den Strauß. Der vereinte, gleich Tito dereinst Jugoslawien, all die verzwisteten Schuhplattler unter seiner sonnenfinsternden Wampe und sorgte dafür, dass „a Ruh is“. Er machte die drunten regierende CSU zur allmächtigen Einheitskirch’, und es herrschte fortan Burgfrieden.

Das wollte er natürlich ausstrahlen, der FJS, auf Deutschland und die ganze Welt, und er bewarb sich ums Kanzleramt, was misslang, und er schickte seine Erzengel aus, Gottes Geißeln zu bändigen – unter Anderem den Peter, den Gauweiler, der die furchtbaren Aids-Zecken in KZ’s bannen wollte, was allerdings in die Hose ging, leiderleider. Als Gott sah, dass es gut war, beging er einen großen Fehler – was im Zusammenhang mit seiner ihm innewohnenden Unfehlbarkeit natürlich katastrophale Folgen hatte: Er berief FJS zurück ins Himmelreich, in seinen Gottesbunker. Was dann folgte, ist uns allen schmerzhaft bekannt: Die Wiedervereinigung, das Verschwinden der einstigen „heimlichen Hauptstadt“ München in die luxuriös teure Bedeutungslosigkeit eines Ficktualienmarkts, das Schmelzen der absoluten CSU-Mehrheit – es war eine echte Klimakatastrophe, die da über unsere drollig gamsbärtigen Brüder und Schwestern im Süden hereinbrach.

Es folgten Streibls, Stoibers, Becksteins und Seehofers, und man bekam seine liebe Not damit, wer nun drunten die Krone trug und wer sich um das Gesamtreich bewarb. Es wurde schrecklicher, zusehends, und ganz Deutschland verlor die moralische Instanz des dereinst im alpinen Land verfrorenen Gottesfußes. Der BS, der Bajuwarische Staat, schien zurückgedrängt, besiegt gar. Doch zu welchem Preis? Das erkannte Gott und er sprach: „Gebts ihnen a Heimat!“ Denn Gott stammt bekanntlich aus Unterföhring. Und so gebar er den Söder Markus, und alles sollte geritzt sein von heut bis in alle Ewigkeit.

Der Markus baute sich ein Heimatministerium, versorgte schwache Landstriche mit Geld und verfügte Geflüchtete in die deutschgeliebten KZ’s, die er zärtlich Ankerzentren nannte. Er entsandte den Seehofer Horst nach Berlin, ein neues Heimatministerium zu gründen, seinem Beispiele folgend. „Ei, wos is des, a Heimatministerium?“ fragte der Schüler den Meister. „Do kümmerst Di um ojs, wo zurückgeblieben is mit Pass, und den Rest schmeißts naussi!“ Gesagt, getan, und wieder sollte es zu wunderbaren Lagern kommen, diesmal nicht für Juden oder Schwule oder Aidsies, sondern für Geflüchtete, und das sollte Gottes eher dachbeschädigte Kinder befrieden, die sich unterdes in einem Dumpfbacken-Verein namens AfD zusammengewürfelt hatten, und die garstig und zornig waren auf alles und jenes und nicht genau wussten, worauf.

„Genau um die musst Di kümmern“ lispelte Gott durch Söder dem Seehofer ins Ohr, „die musst fei mundtot machen vor die nächste Wohl.“ Und der Seehofer lachte wie eine angeschossene Seerobbe, weil er das so charmant beherrschte, und tat, wie ihm Gottes Söder geheißen. Und der Söder, so durch und durch vom heiligen Geist durchfegt, holte sich die Möbel vom FJS aus der Rumpelkammer und stellte sich in die Staatskanzlei neben den bereits halbfüßig in anderen Stratosphären befindlichen Stoiber. „Du bis fei das erste Moi seit elf Johren hier“, sprach er, dies auf Facebook postend, und ließ sich von dem Bettflüchtigen quittieren, dass nun alles ist, wie es einmal war. In Pracht und Herrlichkeit. Und so beschied er, dass ab nun ein jeder psychisch Kranke, zu seinem eigenen Schutze, sogleich eingeknastet werden darf im Söderland, und dass man dringlichst das Kruzifix mit dem feschen Jesus-Pin-up in einer jeden Amtsstube zu reinstallieren habe, damit es was zum Wichsen gibt für den frommen Bajuwaren, den Bajuwarenist, und kein Mensch mehr dem Irrtum verfiele, man befinde sich in einem säkularen Staat, wo Glaube nicht das Recht bestimme.

Und endlich, endlich wieder!, „fei 34 Johr no dem Tod vons FJS“, herrschte ein großes Jodeldihü in Söderland, das einst Bayern hieß, und das nun ausstrahlen möchte auf Deutschland, Europa und die ganze Welt. Denn es gilt nicht mehr der Spruch „wenn es denn so einfach wäre“, sondern schlicht, „weil es so einfach ist“. Wo die Burka lauern tut, haben wir das Kruzifix bereits schlag-parat. Getreu dem Motto: „Wo der Gedanke nicht gereift, der Söderbub dazwischen greift.“ Jawoll! Pfüati miteinand.

Daniel Call




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