ESC

Unser Lied für Lissabon: Alpenschlager oder Herzschmerzballade?

Donnerstag gilt’s. Wer vertritt die deutschen Farben beim Eurovision Song Contest 2018?

Ivy Quainoo in einem Konzert im Gloria-Theater, Köln © Achim Raschka / CC-BY-SA-4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode)

21.02.18 – Am Donnerstag steigt in der ARD die Show „Unser Lied für Lissabon“ live aus den Studios in Berlin Adlershof. Sechs Acts bewerben sich um das Ticket zum größten TV-Musikspektakel der Welt. Alles soll anders werden dieses Jahr. Um die Negativbilanz Deutschlands beim ESC der vergangenen Jahre wettzumachen, hat der NDR einen radikalen Neuanfang versprochen.

Echte Superstars zeigen am ESC kaum Interesse, also hat sich der NDR bei der Auswahl von Künstlern und Songs zu einem Mix aus solider Marktforschung und musikalischer Kernkompetenz entschieden. In einem mehrstufigen Auswahlverfahren wurden aus zahlreichen Bewerbern letztendlich sechs KünstlerInnen ausgesiebt. Mit Hilfe von einem internationalen Expertenteam aus SongwriterInnen, SängerInnen und ProduzentInnen wurde in Workshops für die Interpreten und Interpretinnen individuell das vermeintlich ideale Paket aus Titel und Bühnenshow erarbeitet. Herausgekommen sind sechs Acts, die den Geschmack der europäischen ESC-Zuschauer und -Zuschauerinnen perfekt repräsentieren sollen.

Ivy Quainoo kommt aus Neukölln. 2012 wurde sie als Siegerin der ersten Staffel von „The Voice of Germany“ schlagartig populär. Mit ihrer souligen Popnummer „House on Fire“ setzt die Berlinerin auf ihre einzigartige Stimme und ihre Erfahrung.

Natia Todua ist 21 und die aktuelle The Voice-Gewinnerin. Die Georgierin mit den Dreadlocks kam als Au Pair nach Deutschland. Dabei hatte sie schon immer den Traum, eine erfolgreiche Sängerin zu werden. Ihre leichte Popnummer „My Own Way“ hat autobiografische Züge.

Michael Schulte wurde mit Coverversionen zum Youtube Star und schaffte es 2012 auf den dritten Platz von „The Voice“. Der Singer-Songwriter aus Buxtehude tritt mit der Ballade „You let me walk alone“ an, die er seinem verstorbenen Vater widmet.

Glatte Haare, raue Stimme. Xavier Darcy ist bislang kaum auf großen Bühnen in Erscheinung getreten. Der Newcomer nimmt seinen ersten großen TV-Auftritt locker: „Ich bin einfach ein Typ mit Gitarre, der da irgendwie versucht, seinen Scheiß zu machen.“ An seinem rockigen Titel „Jonah“ hat ein skandinavisches Team mitgeschrieben.

Ein Klavier, oben drauf eine Ballerina. Gab es das nicht schon Mal beim ESC? Egal, der Hannoveraner Ryk ist überzeugt, dass die Performance perfekt zu seiner Ballade „You and I“ passt. Der studierte Musiker steht auf Klassik und Elektropop. Sein Song ist sehr ruhig und fast theatralisch.

Zum Mitklatschen animieren – das ist das erklärte Ziel der Lederhosen-Boyband Voxxclub. Die (Retorten)Combo rekrutiert ihe Fanbase vor allem aus öffentlich-rechtlichen Schlagershows und bayrischen Hüttengaudis. Der einzige deutschsprachige Beitrag zieht alle Register des volkstümlichen Gute-Laune-Schlagers. „I mog di so“ ist eine oktoberfesttaugliche Schunkelpolka. Sänger Christian Schild (der blonde Schweizer) ist ein Homo. Ob das Bonuspunkte bringt?

Über den Sieger oder die Siegerin entscheiden jeweils zu einem Drittel das via Marktforschung zusammengestellte „ESC-Panel“ (eine Gruppe aus 100 ESC-affinen Leuten), eine 19-köpfige internationale Expertenjury und das Fernsehpublikum per Televoting. Moderiert wird die Chose ausnahmsweise Mal nicht von NDR-Allzweckwaffe Barbara Schöneberger – für viele in Nachbetrachtung der letzten Jahre oft das einzige Highlight des deutschen Vorentscheids. Stattdessen springen Tagesschau-Sprecherin Linda Zervakis und Ex-Stefan Raab-Assistent Elton in die Bresche. Da Deutschland zu den „Big Four“ gehört, ist der Siegertitel automatisch für das Finale des Eurovision Song Contest qualifiziert. Die ARD überträgt die Show am 10. Mai 2018 live aus Lissabon.

Für alle, die den Vorentscheid nicht alleine schauen wollen: Das RAUSCHGOLD überträgt ab 20 Uhr auf Großleinwand, ebenso das JAMES JUNE (Karl Marx Allee 93). Dort findet ab 22 Uhr auch die Aftershow Party der offiziellen deutschen Fanclubs statt. Natürlich mit ESC-Dancefloor.

Sascha Osmialowski

Deutscher Vorentscheid 2018: „Unser Lied für Lissabon",
22.02., 20:15, ARD,
eurovision.de

 




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