Roma Biennale

„Wir müssen alle queer und feministisch werden!“

Im Rahmen der ersten Roma Biennale „Come out now!“ im Gorki setzen sich Roma-KünstlerInnen mit den Erfahrungen von Ausgrenzung auseinander

„Roma Armee“ am Gorki © Ute Langkafel

03.04.18 – „Wir glauben an die radikale Diversität und Inklusion. Die meisten Menschen, die ,Come out now!’ mittragen, sind selbst Roma. Dennoch sind alle willkommen, die mitmachen wollen“, sagt die Künstlerin Delaine Le Bas, Kokuratorin der ersten Roma Biennale, die vom 7. bis zum 10.04. im Maxim Gorki Theater und im Studio stattfindet. 2007 war Delaine Le Bas mit ihrem Ehemann, dem britischen Künstler Damian Le Bas, auf der Biennale in Venedig am ersten und bisher einzigen Pavillon der Sinti und Roma beteiligt. Damian Le Bas, der oft als „Vater der Roma-Kunst“ bezeichnet wurde, ist Dezember vergangenen Jahres gestorben. Er wird mit der Retrospektive „Gypsyland“ im Foyer des Theaters gewürdigt.

Darüber hinaus ist das Programm sehr vielfältig: „Wir werden Raum für Themen schaffen, über die wir sprechen müssen. Wir müssen alle politisch queer und feministisch werden“, sagt der Berliner Schauspieler und Politiker (Die Linke) Hamze Bytyçi, der die Biennale mitkuratiert hat. Mit acht Jahren war er aus dem Kosovo nach Deutschland gekommen. Er lebte im Kirchenasyl. „Damals war ich schon Aktivist, weil ich mich für das Bleiberecht meiner Familie eingesetzt habe“, erinnert er sich.

Im Mittelpunkt der Roma Biennale steht „Die Lange Nacht des Coming-outs“ (07.04). PerformerInnen, SchauspielerInnen und MusikerInnen werden auf der Bühne des Studio von ihrem Coming-out erzählen. „Es geht nicht nur um queere, sondern auch um politische Coming-outs. Es geht darum, die Andersartigkeit in sich selbst und jedem zu sehen“, sagt Hamze Bytyçi. Anlässlich des Welt-Roma-Tages wird es außerdem eine „Parade“ (08.04.) mit Kundgebung und Musik geben. Start um 13:00 am Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma. Anderes queeres Highlight der Biennale: Das Stück „Roma Armee“ (Foto) am 8. April. Es handelt von einer Gruppe von SchauspielerInnen, die eine Roma-Armee zu Selbstverteidigung bilden, um gegen die strukturelle Diskriminierung und Antiziganismus zu kämpfen. Bei der interaktiven Talkshow „Hilton 437“ (09.04.) wird über Feminismus und Queerness in der Kunst und die Emanzipationsbewegung von Roma und Sinti gesprochen.

In der Zukunft soll die Roma Biennale alle zwei Jahre ausgerichtet werden. „Dieses Mal geht es eher um Theater, das nächste Mal werden wahrscheinlich mehr bildende Künstler dabei sein. Ort und genauer Zeitpunkt sind flexibel“, sagt Delaine Le Bas. „Wir wollen eine flexible Biennale sein.“

SIEGESSÄULE präsentiert
Come out now!, 07.–10.04., Maxim Gorki Theater und Studio

gorki.de
roma-biennale.eu




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