Homosexualität und Heavy Metal

Desasterkids-Frontmann über die Metal-Szene: „Schwulsein hat da keinen Raum“

Ein offener Umgang mit Homosexualität ist in der Metal-Szene immer noch keine Selbstverständlichkeit. Wir sprachen mit dem Sänger der Berliner Band Desasterkids

Andi Phoenix © Kai Heimberg

07.08.18 – Metal-Musik scheint wohl eine der letzten sicheren Refugien heteronormativen Mackertums im Musikbetrieb. Das Coming-out des Judas-Priest-Frontmanns Rob Halford vor Jahren fungierte hier leider nur als die Regel bestätigende Ausnahme. Die Berliner Alternative-Metal-Band Desasterkids um den schwulen Sänger Andi Phoenix möchte das nun ändern. Wir trafen Andi zum Gespräch

Andi, nach dem Video zur Vorabsingle „Oxygen“, in dem ein schwuler Kuss zu sehen ist, wird das neue Album „Superhuman“ als dein Coming-out-Album betrachtet. Stimmt das überhaupt? Eigentlich nicht. Ich bin schon seit Bandgründung offen schwul, hab das immer kommuniziert, auch wenn ich das nicht vor mir her getragen habe. Aber wenn es zum Gespräch passte, hab ich ganz selbstverständlich drüber geredet. Mir war dabei jedoch immer bewusst, dass diese Szene wahrscheinlich nicht so recht weiß, was sie mit einem schwulen Menschen anfangen soll, denn Schwule sind in der Metal-Szene eher selten. Ich wollte eigentlich immer mal ein schwules Musikvideo machen, um richtig anzuecken. Aber dann war das Risiko doch zu groß, dass das nicht ankommt oder die Leute es für einen aufgesetzten Marketingzug halten. Deshalb hatten wir uns bisher immer dagegen entschieden. Aber mit diesem Album haben wir uns gedacht: Scheiß drauf, wir machen das jetzt einfach. Wir hatten im letzten Jahr eine Art Umbruchphase. Da hat sich vieles verändert, wir haben das Management gewechselt, viele Geschäftspartner ausgetauscht. Es hat sich einfach so angefühlt, als wären wir jetzt bereit dafür, ein Thema anzusprechen, das uns schon immer begleitet hat. Und dafür geradezustehen.

Warum war das so ein großes Ding? Weil euch davon abgeraten wurde, oder weil ihr selber Schiss hattet, dass euch das die Karriere kaputt machen könnte? Beides. Es gab kein direktes Verbot, mit meinem Schwulsein so nach außen zu gehen, aber es gab in unserem Umfeld durchaus Stimmen, die meinten, ich solle es nicht so öffentlich breittreten. Das habe ich zunächst auch so befolgt, obwohl ich schon ab und zu mal ein Bild mit meinem Freund auf Instagram gepostet habe. Über die Zeit sind wir dann aber reifer und mutiger geworden. Wir wollten einfach wissen, was passiert, wenn wir das richtig öffentlich machen.

Im Internet fielen die Reaktionen auf euer Video teilweise recht ablehnend aus. Hat dich das überrascht? Nein. Ich wusste schon, dass das einigen Leuten überhaupt nicht in den Kram passen würde. Das sind halt die typischen Hater und Trolle. Das war zu erwarten. Aber die positiven Kommentare dazu haben total überwogen.

Warum sind bestimmte musikalische Genres – Hip-Hop und Metal vor allem – so extrem verknüpft mit Hypermaskulinität, Sexismus und Homophobie, zumindest in der Wahrnehmung der Leute? Das wäre ein schönes Thema für ‘ne Bachelorarbeit. (lacht) Ich kann dir das auch nicht wirklich sagen. Vielleicht liegt es daran, dass das sehr heftige Musik ist. Leute, die diese Musik auf der Bühne spielen, kommen sehr stark und männlich rüber. Damit wollen sich die Fans identifizieren. Schwulsein hat da irgendwie keinen Raum, weil es bei vielen fälschlicherweise als schwach gilt.

Erinnert mich an den Profifußball. Ich musste neulich echt lachen, als ich im Internet mal wieder über ein Foto der Metalband Manowar aus den 80ern gestolpert bin … … ja, total gay eigentlich.

Die betrachteten sich selbst als Übermacker und sahen aus wie Transvestiten aus der Hölle. Warum ist Metal die Musik, die dich begeistert? Ich habe angefangen, Metal zu hören, als ich 13 war. Ich höre mittlerweile auch Pop und R'n'B oder gehe ins Berghain, aber es hat lange gedauert, bis ich mich anderer Musik annähern konnte. Nur bei Metal habe ich etwas gefühlt, habe das Adrenalin gespürt. Nur diese Musik gibt mir wirklich dieses brennende Gefühl, am Leben zu sein.

Interview: jano

Desasterkids:
Superhuman (Uncle M/Cargo),
ab dem 03.08. erhältlich

Desasterkids live in Berlin,
29.09., 19:00,
Musik & Frieden




Diese Website verwendet Cookies, Google Analytics und den Adserver Google DFP. Wenn Sie diese Website weiter nutzen, stimmen Sie dem zu.
Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

OK