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Auf glitzernden Flügeln das Glück: Die Geschwister Pfister brillieren in „Heute Nacht oder nie“

Mit der Revue aus Stücken des jüdisch-russischen Komponisten Mischa Spoliansky landet die Komische Oper einen Volltreffer

© robert-recker.de

02.04. – „Nach dem riesigen Erfolg von ,Clivia‘ wollten wir wieder mit den Geschwistern Pfister etwas machen“, sagte der Intendant der Komischen Oper Barry Kosky bei der Premierenfeier von „Heute Nacht oder nie“. Nach der mehr als opulent ausgestatteten Operette mit Christoph Marti alias Ursli Pfister in der Titelrolle, ging es nun in eine ganz andere Richtung: Keine geschwungene Showtreppe, keine aufwändige Kostümschlacht, kein Bühnenbild – kein Schwan. Das Orchester sitzt in kleiner Besetzung vor einem schwarzen Vorhang, dazwischen bewegen sich die sieben Darstellerinnen und Darsteller, sowie vier Tänzerinnen. Ein mutiger Schritt, war es doch gerade der mit einem Augenzwinkern gefeierte Überfluss, der „Clivia“  geprägt hat.

Doch gute Regie-Einfälle von Stefan Huber, ein abwechslungsreiches musikalisches Arrangement von Kai Tietje und eine den kleinen Handlungspielraum der Akteurinnen und Akteure perfekt nutzende Choreographie von Danny Costello machen jede Ausstattung fast überflüssig. Mit gewohnter Brillanz verarbeiten die Geschwister Pfister das ihnen zur Verfügung gestellte Material. Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen von der Komischen Oper lassen sie Welten entstehen, die mal amüsieren, mal berühren: Christoph Späth ist ein Taxifahrer mit Kodderschnauze, der nicht nur das Berlin der 20er Jahre repräsentiert, sondern so sicher auch heute noch zu finden ist. Mirka Wagner verzaubert als vornehmes Fräulein, Johannes Dunz ist ein stets unangenehm berührt scheinender Provinzler und Stefan Kurt ein bräsiger Beamter. Andreja Schneider, die Hure, spannt einen Bogen über die Figuren und hält das Ensemble zusammen, während sie ihrer Liebe – dem von Tobias Bonn gespielten Bonzen – hinterhertrauert. Christoph Marti spielt die Lesbe, verrucht und leicht durchgeknallt mit dem herrlich verstörenden Tanzsolo zum Stück „Morphium“. Mit der Hure singt sie das Duett „Wenn die beste Freundin“ aus dem schließlich gemeinsam mit dem Bonzen ein Trio wird – jede betrügt jeden mit jeder – und dabei wird klar: die drei Pfisters funktionieren einfach. „In der Bar jeder Vernunft sind wir Meister darin, auf diesem kleinen Nudelbrett zu stehen und zu behaupten, wir sind die große Welt. In der Komischen Oper sind wir dann die große Welt“, sagte Andreja Schneider im Interview mit uns. Dieses Versprechen haben sie eingehalten.

Und klar ist auch: Das Ensemble braucht keine opulente Ausstattung. Es lebt den Satz, der sich durch den Abend zieht: „Auf glitzernden Flügeln das Glück“. Ein Abend den man gesehen haben muss. Das wussten offenbar schon vor der furiosen Premiere viele, denn die verbleibenden drei Vorstellungen in der Spielzeit sind bereits so gut wie ausverkauft.

Christina Reinthal

„Heute Nacht oder nie – Die Spoliansky-Revue, 09.04., 23.06., 04.07., Komische Oper

Das Interview von SIEGESSÄULE-Chefredakteurin Christina Reinthal mit den Geschwistern Pfister zur Spolansky-Revue gibt es hier auf SIEGESSÄULE.DE




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