Berlin

Papst Pius IX. verbot sie: „Petite messe solennelle“

© Petite messe solennelle © Falk Wenzel

siegessaeule.de 14.11.2011 – Gioachino Rossini hatte den Job als Opernkomponist seit über 30 Jahren an den Nagel gehängt und sich in Frankreich seinem Hobby, dem Kochen, zugewandt. Dann kam ein begüterter Adeliger daher und gab dem Künstler in Rente den Auftrag, eine Messe zu komponieren. Heraus kam die „Petite messe solennelle“ (kleine feierliche Messe), aufgeführt erstmals öffentlich in einem der Pariser Opernhäuser, dem Théâtre-Italien.

Weil Rossini Frauen im Chor vorsah, durfte seine Messe damals, in den 1860er Jahren, nicht in einer Kirche aufgeführt werden. Rossinis Bittgesuche beim Papst  beantwortete dieser  lediglich mit „Segnungen und Mitgefühl“, wie Rossini in einem Brief klagt. Eine Messe von einem gefeierten Opernkomponisten, der kritisch der Kirche gegenübersteht und dessen Tage von depressiven Schüben, Lebenslust und lukullischen Genüssen bestimmt sind. Und das ganze nur mit drei Instrumenten begleitet, zwei Klavieren und einem Harmonium. Was für eine Herausforderung!

Frische Herbstbrise für die Opernsaison?

Das sagten sich wohl auch Nico and the Navigators, als sie sich das Stück vorgenommen haben. Die Berliner Truppe, die mit vollem Körpereinsatz, scharfzüngigen Kommentaren und Groteske die Bühne aufmischt, hat vor einigen Wochen eine szenische Fassung von Rossinis Messe im Rahmen des „pèlerinages“ Kunstfests Weimar vorgelegt. Darin hinterfragen sie, wie sich Religion zum Leben verhält, was es mit Ritualen und heiligen Zeichen auf sich hat. Gleichzeitig werden Konventionen der Operntempel aufs Korn genommen. „Bitterböse Anspielungen treffen auf Despektierliches, Slapstick auf Freud, Opernparodie auf Sozialsatire“, hat die Ostthüringer Zeitung über die Inszenierung geschrieben. Jetzt ist die Produktion in Berlin zu Gast, im Radialsystem V. Das dürfte für eine frische Herbstbrise in der aktuellen Berliner Opernsaison sorgen.
Eckhard Weber

„Petite messe solennelle“, 16.11. (Berlinpremiere), 18. - 20.11., 20 Uhr
18.11. 22.30 Uhr Künstlergespräch mit Regisseurin Nicola Hümpel und Bühnenbildner Oliver Proske

www.radialsystem.de

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