Berlin

„Popestar ist ein queerer Papst"

© Plakat „Popestar“ von Eleonore Roedel, anlässlich des Papstbesuches in Berlin

siegessaeule.de 19.9.2011 – Es ist Nacht im Prenzlauer Berg. Im Schatten einer exponierten Plakatwand an der Schönhauser Allee liegt frierend seit Stunden eine Reporterin auf der Lauer, um den klugen Kopf hinter der Plakataktion „Popestar“ auf frischer Tat zu ertappen. Signiert ist das Werk, das den Papst in Monroe-Pose zeigt, mit dem Namen Eléonore Roedel. Wer ist diese Eléonore Roedel? Endlich, in den frühen Morgenstunden, schlendert unbekümmert eine kurzhaarige Blonde heran, mit Schalk im Nacken und Kleisterpinsel in der Hand. Für siegessaeule.de ist sie trotz der frühen Stunde bereit, ihre Identität zu lüften.

siegessaeule.de: Wie kommst Du eigentlich darauf, den Papst in so einer Pose darzustellen?
Eléonore Roedel:
Ich bin gelernte Kirchenmalerin und Illustratorin. Ich mag alles, was mit Illustrationen zu tun hat. Optisch kommt das Bild ein bisschen siebdruckmäßig daher, so wie ein alter amerikanischer Comic. Ich hatte die Pop-Art im Hinterkopf, daher der Titel „Popestar“. Dadurch, dass der Papst ständig in den Medien auftaucht, ist er Teil unserer Popkultur. Er inszeniert sich für die Medien, genau wie die Monroe.

Die roten Schuhe wecken auch Assoziationen zum „Zauberer von Oz“?

ER: Vielleicht bin ich das Mädchen mit den roten Schuhen, das sich in das Bild hineinprojiziert und sich eine andere Haltung der katholischen Kirche wünscht. In „Popestar“ ist ein lustiger, ein guter Papst zu sehen, einer, der nicht homophob ist. Er ist ein queerer Papst.

Wolltest Du auch die Bigotterie in dem ganzen Papstrummel aufzeigen?
ER:
Ja, genau, hier wird einfach mal der Rock gelüftet. Ein plötzlicher Windstoß enthüllt überraschende Dinge. Ich selbst bin aus der Kirche ausgetreten und nicht gläubig. Es erstaunt mich immer wieder, dass der Papst heutzutage noch eine solche Bedeutung hat. Ich wünsche mir, dass mal ein Papst zu Besuch kommt, der ganz anders ist. Ein Papst, der durch seine Menschlichkeit überrascht, die auch ein bisschen verrückt ist.

Du hast Dich entschieden, nicht einfach nur ein Bild zu zeichnen und das auszustellen, sondern eine Kunstaktion im öffentlichen Raum daraus zu machen. Warum?
ER: Plakate haben mich schon immer interessiert. Ich wollte versuchen, Plakate zu machen, die einen aufklärerischen Charakter haben. Wenn man die in diesen Blätterwald hineinklebt, der immer nur Dinge bewirbt, dann ergibt sich eine völlig andere Botschaft für das Medium Plakat.

Wieviele Plakate hast Du gemacht?

ER: 250. Ich bin noch nicht ganz fertig mit dem Plakatieren, der Rest kommt noch dran.

Dann lass Dich mal nicht aufhalten!

Interview: Elke Koepping

Zur Website der Künstlerin: http://www.ro-edel.de/


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