40 Jahre SchwuZ

Musiker und DJ Black Cracker über das SchwuZ heute: „Dancefloors von der Größe einer Galaxie“

Seit 2013 ist das SchwuZ in der Rollbergstraße 26 zu Hause. Neben Professionalisierung ist Repolitisierung einer der zentralen Aspekte der immer diverser werdenden Institution ...

Black Cracker © Matthias Hamann / matthiashamann.net

24.09.17 – Das SchwuZ wächst über die sozialen, nationalen und sexuellen Standards seiner Gesichte hinaus und wird zu einem Ort, der eine größer werdende aktive, diverse, nonkonforme und internationale Community umfasst. Ich erinnere mich noch, wie ich zum ersten Mal die labyrinthischen Räume am Mehringdamm betrat, die verwinkelte Treppe übersät mit Körpern. Die Räume wirkten klein und verloren, die Musik klang gleichförmig, überdreht, fluoreszierend. Wäre ich nicht eingeladen worden, um dort aufzutreten und hätte dabei die Menschen des Teams kennengelernt, es wäre mir nicht schwergefallen, nie mehr dorthin zurückzukehren. Mein Körper und meine Performance schienen nicht willkommen, ich konnte keine Verbindung zu den Jungs aufbauen, während ich Songs über Mädchen sang, die wiederum miteinander rummachten.

Vorspulen zum Rollberg, einer Kathedrale, in der die verlorenen Seelen durch ein massives Foyer geleitet werden. Räume, so hoch, dass sie die Rückkehr von Jesus Christus beherbergen könnten, ein Nebel aus Dancefloors von der Größe einer Galaxie, keine Wände, an denen man stehen kann. Ein neues Vermächtnis, das geschrieben werden kann von jeder Person, die bereit ist, den Stift in die Hand zu nehmen und Welten zu gestalten, in denen wir leben wollen. Ein Ort, um die schwierigen Gespräche darüber aufzunehmen, wie wir über die Grenzen der reinen Theorie hinaus mehr Verantwortung übernehmen und Kritik kollektiv annehmen können.

Wir dürfen nicht vergessen, dass Menschen überall auf der Welt und auch innerhalb dieser Mauern, einander verletzten, gegenwärtige und seit Jahrhunderten andauernde Diskriminierung fortschreiben, während sie gleichzeitig versuchen, ihre Wunden zu heilen in einem Sturm aus fallenden Projektilen, Hass und Aggression. Dabei geht es stets um Kategorien von Race, Gender, Sexualität, Nationalität, Status, Klasse und darüber hinaus. Das SchwuZ selbst ist nicht wichtig, es sind vielmehr wir, die Menschen, die tanzen, protestieren, arbeiten, weinen, schreien, protestieren, heilen, feiern und lieben, die Berlins queere Szene erschaffen, und ich wünsche uns allen die glorreichste und unbequemste Zukunft. Wenn ihr euch sicher fühlt, fragt euch, wer aufgrund dieses Privilegs in Gefahr sein könnte, und macht es zu eurer Aufgabe, ihm oder ihr diese Bürde zu erleichtern. Safe Spaces gehören in die Vergangenheit, wir sehen uns in der Zukunft.

Black Cracker / Übersetzung: jano

SIEGESSÄULE präsentiert:
Discodrama“, 29.09., 19:00, SchwuZ
Programm:
19:30: Filmscreening „Mein wunderbares Westberlin“ von Jochen Hick. Im Anschluss: Podiumsdiskussion „Früher war alles besser?! Das SchwuZ zwischen Shitstorm und Schutzraum“. Moderation: Martin Reichert. Gäste: Marcel Weber, Robin Büttner, Mahmoud Hassino, Sigrid Grajek, BeV StroganoV, Jan Noll
23:00: Party

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