Kommentar zum Pride

Bald wieder bezahlbare Mieten in Berlin: Maite Kelly tritt beim CSD auf!

Mit Maite Kelly beim CSD endet endlich auch der Berlin-Hype! Ein Kommentar von Manuela Kay

Maite Kelly © Christian Barz

21.07.17 – Berlin genießt ja bekanntermaßen den Ruf, eine der coolsten Städte überhaupt und vor allem die Hauptstadt der LGBT-Community zu sein. Weil hier alles so locker ist, so angesagt, so offen und so vielfältig. Anything goes in Berlin. Oh ja! Denn nur hier kommt man auf die Idee Maite Kelly zum Finale des CSD auftreten zu lassen. Ja genau, die Schlagersängerin und ungefähr 18. Schwester aus dem unsäglichen Clan der Kelly-Family. Das ist kein Scherz! Nur in Berlin trauen sich jene, die das Bühnenprogramm am Brandenburger Tor organisieren, den vielen Tausend, die abgekämpft nach der langen Demo-Strecke am Ziel ankommen ausgerechnet eine drittklassige Schlagersängerin zu präsentieren, deren Bezug zur LGBT-Community in etwa so groß ist wie der von Donald Trump.

Beim CSD in Berlin glaubt man Schwulen, Lesben und trans* Personen wirklich jede Geschmacklosigkeit zumuten zu können – steht man erstmal am Brandenburger Tor, kann man sich ja eh nicht mehr wehren. Aber um LGBT geht es ja vielleicht auch gar nicht mehr? Laut einer jungst veröffentlichten Studie, basierend auf dem CSD 2016 identifizieren sich 42 Prozent der Teilnehmenden als heterosexuell. Das erklärt so Manches! Vielleicht auch Maite Kelly beim CSD. Die wurde engagiert um für die Heteros zu spielen - na klar! Wie nett vom Orga-Team für die ja ansonsten so benachteiligten Heteros, die beim CSD in der bedauernswerten Minderheit von nur knapp der Hälfte sind, auch was zu bieten. Deshalb kommt nun zwischen durchaus auch guten Acts aus der Community wie Conchita Wurst oder die Berliner Local Heroes der Squeezebox Band sowie den politischen Reden glücklicherweise das ZDF-Fernsehgarten-Feeling dazu.

Was sich anfühlt wie ein Schlag ins Gesicht der Community könnte in Wahrheit aber auch eine raffinierte Strategie sein: Der internationale LGBT-Coolnessfaktor Berlins dürfte mit dem Auftritt von Maite Kelly etwa auf das Niveau von Rosenheim abrutschen. Somit endet endlich der vielzitierte Berlin-Hype. Schwaben, Bayern und reiche Investoren ziehen wieder zurück in die Heimat oder suchen sich neue hippe Ziele. Flüge nach Berlin sind wieder für schmales Geld zu haben, einen neuen Flughafen brauchen wir dann auch nicht mehr – alles easy. Wo kein Niveau, auch kein Hype. Und wir können aus Erkner wieder zurück in unsere Innenstadt-Altbauwohnungen ziehen. Happy CSD!

Manuela Kay