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Schwulenmord und Homophobie im Berliner Tatort

„Amour fou“ heißt der Tatort am 05.06, in dem der homosexuelle Ermittler Karow und seine Kollegin mit Vorurteilen und Missbrauchsverdacht konfrontiert werden

Jens Harzer (li.) und Mark Waschke im Tatort „Amour fou“ © rbb/Andrea Hansen

03.06.17 – Ein schwuler Lehrer wird in einer bizarren Szenerie ermordet aufgefunden – bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Das ist die Ausgangssituation des fünften Falls für die Berliner Tatort-KommissarInnen Meret Becker (Nina Rubin) und Mark Waschke (Robert Karow). Die Figur des Ermittlers hatte im Dezember 2016 für Aufsehen gesorgt, als sie sekundenlang beim schwulen Sex gezeigt worden war. Eine Premiere, selbst für einen Berliner Tatortkommissar! Angenehm allerdings, wie entspannt der Charakter mit seinem Schwulsein umgeht.

Im aktuellen Mordfall führen die ersten Ermittlungen Karow und Rubin in den Neuköllner Rollbergkiez. Dort hatte Enno Schopper, das Mordopfer, unterrichtet, bevor er offenbar erschlagen, mit Benzin übergossen und verbrannt wurde.
Ennos hinterbliebender Mann Armin (Jens Harzer) hat da so eine Theorie: „Fragen Sie mal die Kids im Kiez, was man am besten mit Schwulen macht“. Enno hatte seine Beziehung demonstrativ offen gelebt, zu provokativ für hiesige Verhältnisse? Zudem steht der Verdacht im Raum, dass der Ermordete sich einem Schüler genähert haben soll, der eine Art Pflegesohn des schwulen Paares war. Bis zur Klärung des Sachverhalts war der Lehrer beurlaubt gewesen. Der angeblich missbrauchte Junge ist indessen nach dem Todesfall spurlos verschwunden. Jetzt muss Ermittler Karow sich mit seiner Kollegin durch den Sumpf aus Gerüchten, Halbwahrheiten und Homophobie zur Aufklärung des Falls vorarbeiten.

Tatort Berlin „Amour fou“, 05.06., 20:15, ARD