Erinnerungspolitik

Gedenkkugel für lesbische NS-Opfer kommt ins Schwule Museum*

Eine Gedenkkugel für lesbische Frauen im ehemaligen KZ Ravensbrück hat die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten bisher abgelehnt. Nun wird die Kugel, bis auf weiteres, im Schwulen Museum* ausgestellt

Die Gedenkkugel für Ravensbrück © Susanne Kuntz

29.07.17 - Eine Gedenkkugel aus Ton sollte an das Schicksal lesbischer Frauen und Mädchen erinnern, die im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück, oder im nahegelegenen Konzentrationslager Uckermarck für Mädchen und junge Frauen, interniert waren. Das zumindest bezweckte ein Antrag der Initiative „Autonome feministische FrauenLesben aus Deutschland und Österreich“, der im April bei der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten gestellt wurde. Die Entscheidung über den Antrag, die Kugel fest auf dem Gelände der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück zu installieren, wurde seitens der Stiftung auf den Herbst verschoben. Nun kommt die Kugel, einstweilen, ins Schwule Museum*.

Dort ist, zur Enthüllung der Gedenkkugel, morgen Abend ab 18:30 eine Veranstaltung unter dem Namen "Lesbisches Gedenken in der Diskussion" angesetzt. Für die Initiative, die den Antrag eingebracht hat, spricht Wiebke Hass. Außerdem hält Corinna Tomberger von der FU Berlin einen Vortrag über "Die Ordnung des Gedenkens. Soziale Ein- und Ausschlüsse in der Erinnerungskultur."

Die Diskussion um einen Erinnerungsort für lesbische Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung ist nicht neu. Der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten liegen schon seit Jahren Anträge vor, ein Gedenkzeichen für lesbische Frauen und Mädchen auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Ravensbrück zu installieren. Bislang wurden diese Anträge immer abgelehnt. Wie Stiftungsdirektor Günther Morsch in einem Interview mit dem Magazin L-MAG im Mai ausführte, habe die Stiftung Gedenkzeichen für bestimmte Gruppen bisher nur dann akzeptiert, wenn „eine gruppenbezogene Verfolgung durch die NS-Terrorinstitutionen“ nachgewiesen werden konnte. Dies sei für lesbische Frauen nicht der Fall.

Gegen diese ablehnende Haltung der Stiftungsleitung ausgesprochen hat sich nun der Lesben- und Schwulenverband (LSVD).

In einer Pressemitteilung erklärten Stefanie Schmidt und Axel Hochrein, Vorstandsmitglieder des LSVD, gestern: "Im Zentrum von Gedenkpolitik sollte immer die Würdigung der Menschen stehen, die dem alltäglichen Terror der nationalsozialistischen Herrschaft ausgesetzt waren. Diesen Terror haben lesbische Frauen im Konzentrationslager Ravensbrück mit ganzer Wucht erfahren." Ein dauerhaftes Zeichen des Gedenkens an die lesbischen Insassinnen in Ravensbrück sei notwendig. "Hier sollten schnell mit der gebotenen Sensibilität und Expertise Entscheidungen getroffen werden. Es ist bedrückend, dass lesbische Frauen bislang in der Gedenkstätte weitgehend unsichtbar bleiben."

Ravensbrück war ab 1939 das zentrale Frauen-Konzentrationslager im NS-Staat, mit etwa 130.000 internierten Frauen.

FS

Lesbisches Gedenken in der Diskussion,
30.07., 18:30, Schwules Museum*


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