Queer Summer Splash: Interview mit Vorspiel

„Wir zeigen, worauf es beim Wasserball und beim Synchronschwimmen ankommt“

SIEGESSÄULE sprach mit Stephan Gabriel Haufe von Vorspiel e. V. über das Sportprogramm zum Queer Summer Splash und den Umgang mit Homosexualität im Wasserballsport

© Guido Woller

04.08.17 – Beim Queer Summer Splash am 06. August bieten die LGBTI-Sportvereine Vorspiel SSL, Seitenwechsel, Regenbogenforellen ein so umfangreiches wie vielfältiges Sportprogramm an: Von Kraul-Training über Synchronschimmen bis hin zu einem Wasserballturnier reichen die Angebote. Stephan Gabriel Haufe, Abteilungsleiter für Schwimmen und Wasserball bei Vorspiel, haben wir vorab ein paar Fragen zum Programm und zum Umgang mit Homosexualität im Wasserballsport gestellt

Für den Queer Summer Splash habt ihr ein mega fettes Programm erarbeitet, das einen Einblick in verschiedene Wassersportarten geben wird. Erzähl mir doch bitte ein bisschen was über das geplante Programm. Oft scherzen Leute über schwule oder queere Schwimmvereine. Duschen die eigentlich nur die ganze Zeit und erfreuen sich ihrer Nacktheit, wird dann belustigt gefragt. Und wenn sie dann in ein Training kommen, staunen sie, wie ernst es da zugeht und wie an der Technik oder Schnelligkeit trainiert wird. Wir geben beim Queer Splash Einblick in unsere Trainingsabläufe, machen kleine Technikkurse, zum richtigen Kraulen zum Beispiel, und wir zeigen worauf es beim Wasserball und Synchronschwimmen ankommt. Und das alles machen wir nicht nur rein ernst sondern auch spielerisch, mit Fun-Staffeln und einem Mini-Wasserballturnier für alle.

Was kann man sich unter „Synchronschwimmen für alle“ vorstellen?
Lernt man da ausgefeilte Choreographien? Da wird es kleine Choreografien geben, bei denen sich hoffentlich alle über und auch ein Weilchen unter Wasser halten können – natürlich machen da alle immer dasselbe gleichzeitig – es ist idealerweise so, als ob du viele Spiegel um dich hast.

Beim Queer Summer Splash gibt es ein queeres Wasserballturnier. Wie kam es dazu? Wir haben bei Vorspiel seit kurzem eine Wasserballmannschaft, die Aquaholics, und als die Berliner Bäderbetriebe ein queeres Event machen wollten, fanden sie es anscheinend besonders attraktiv, diesen Sport in den Mittelpunkt zu stellen. Und eine Ballsportart kann man natürlich am besten im Turnier erleben, also kam eins zum anderen. Die jungen Aquaholics brauchen außerdem noch reichlich Spielerfahrung, da kam der Queer Splash gerade recht.

Wie kann man daran teilnehmen und wie läuft das Ganze ab? Die Spieler der Aquaholics werden interessierten Leuten etwas antrainieren, zum Beispiel Ballwürfe im Wasser und die richtige Bewegung mit den Beinen üben, und dann werden kleine Teams gebildet, die miteinander spielen.

Bei Vorspiel gibt es ein LGBTI-Wasserballteam. Wieviele queere Wasserball-Teams gibt es überhaupt in Deutschland? Inwieweit ist Homosexualität im Wasserballsport überhaupt ein Thema? Es gibt sehr, sehr wenige queere Teams. In Köln gibt es wohl noch eins oder in München. Bei Turnieren gibt es so gut wie kein deutsches queeres Team. Das ist in Belgien oder in Großbritannien anders. Mit den Aquaholics könnte das nun auch hier anders werden. Das Team will auf jeden Fall Wettkämpfe bestreiten und auch in der Berliner Landesliga spielen. Der Berliner Schwimmverband und Vorspiel Berlin unterstützen die Mannschaft dabei. Das Team hat zwei junge, sehr ambitionierte und begabte Trainer. Jetzt kommt es also auf den Willen und das Können der Spieler an.
Homosexualität ist teilweise ein Thema. Im Leistungssport ist es im Wasserball, ähnlich wie beim Fußball, noch ein Tabu sich zu outen. Im semiprofessionellen Bereich geht es entspannter zu. Die Aquaholics zum Beispiel sind ein gemischtes Team und teilen sich das wöchentliche Trainingsfeld mit einer „Hetero"-Mannschaft – das ist ein gutes Signal für den Sport.

Wassersport und (oft noch starr nach den zwei Geschlechtern getrennte) Umkleidekabinen können für nicht-binäre oder für trans Menschen ein heikles Thema sein. Es geht hier ja auch darum, seinen Körper zeigen und sich dabei wohlfühlen zu können. Wie geht ihr im Verein damit um?
Damit gehen wir sensibel und offen um. Hier braucht es bei Bedarf Absprachen mit den Bädern und den Trainer*innen und natürlich den betreffenden Personen. Wichtig ist, dass es bei Problemen einen klaren Ansprechpartner gibt, der schnell zur Seite steht. Das übernehmen bei Vorspiel wir als Leitungsebene für den Schwimmsport.

SIEGESSÄULE präsentiert
Queer Summer Splash
– Der LGBTI-Badetag im Prinzenbad,
06.08., 11:00–21:00, Prinzenbad. Eintritt: 5,50 Euro, ermäßigt 3,50 Euro.
DJs: Jurassica Parka, trust.the.girl., Caramel Mafia.
Live: Die Gabys.
Livescreening: Frauenfußball-EM-Finale


Sportprogramm zum Queer Summer Splash: