Kino

Queere Körper in Bewegung: Das Asian Film Festival in Berlin

Vom 07. bis zum 14. Oktober wird im Ballhaus Naunynstraße das Asian Film Festival stattfinden – diesmal mit eigener queerer Sektion

Szenenfoto aus Spa Night © Pro Fun Media

06.10.17 – Vor welchen Problemen stehen asiatische LGBTI zum Beispiel in Hong Kong, in der Volksrepublik China oder in Südkorea? Das Asian Film Festival in Berlin versucht Antworten zu geben. Denn mit Queer Bodies gibt es diesmal auch eine queere Sektion, in der Spielfilme, Dokus und ein Kurzfilmprogramm zu entdecken sind. Queere RegisseurInnen wie Lee Young oder Popo Fan werden zu Gast sein, um über ihre Filme zu sprechen. Dazu gibt es auch das Panel „A Transdiasporic Queer Commons: beyond the Global Gay“ (09.10., 19:30), in dem die es um die größere Sichtbarkeit queerer sozialer Welten auf der Leinwand geht. Was auch die Frage aufwirft, welche Gruppen sichtbar werden und wer nach wie vor unterrepräsentiert bleibt. Wir sprachen mit Kuratorin Kimiko Suda über das Festival

Wie leicht oder schwer ist es, in Berlin ein Filmfestival für asiatisches Kino zu organisieren? Es ist für jede Festivalausgabe wieder aufs Neue sehr schwierig, die Finanzierung sicherzustellen, da es in Berlin mehr als dreißig unabhängige Filmfestivals gibt, die alle um die gleichen öffentlichen Gelder konkurrieren. Gleichzeitig wollen die Botschaften und Kulturorganisationen der jeweiligen asiatischen Länder nur Veranstaltungen mit einem Fokus auf das jeweilige eigene Land finanzieren, aber kein in Hinsicht auf die Länder gemischtes Festival. Und es sind in der öffentlichen Projektförderung kaum Personalkosten vorgesehen, d.h. ein großer Teil der Festivalvorbereitung muss ehrenamtlich geschehen.

Ihr habt als internationale Partner auch das Beijing Queer Film Festival oder den LGBT-Webcast Queercomrades. Was verbindet euch mit dem Thema LGBT? Wir haben seit der ersten Ausgabe immer queere/LGBT-Filme in unserem Programm gehabt, weil uns Figuren interessieren, die sich nicht von gesellschaftlichen Normen einschränken lassen wollen und sich im Alltag auch angesichts von strukturellen Barrieren und Zwängen selbst nicht aufgeben. Wobei wir weniger Filme auswählen, in denen es primär um sexuelle Orientierung geht, in der Regel sind die Protagonist*innen „busy bodies“, die sich in gesellschaftspolitische Belange einmischen, von einem Land in ein anderes migrieren etc. Ich persönlich habe ein Jahr in der VR China studiert und auch einige Jahre dort gearbeitet und angesichts der staatlichen Zensur die Arbeit des Beijing Queer Film Festival und der Queer Comrades sehr zu schätzen gelernt. Sie sind herausragende Akteure, die eine wichtige Rolle für die mediale Repräsentation von LGBT spielen und gleichzeitig auch zu Community-Building im sozialen Sinne beitragen.

Ihr habt diesmal eine eigene Sektion für queere Filme. Was war euch bei der Auswahl der Filme wichtig? Für die Untersektion queer bodies haben wir nach Subjekten und Körpern in Filmen gesucht, die sich in Bewegung befinden, und durch Bewegung Veränderung und neue Perspektiven in ihrem Leben erfahren. Beispielsweise erzählt Vincent Chui in „Fig“ (Hong Kong 2013) die Geschichte einer Frau in Hong Kong, die ihre entfremdete heteronormative Ehe nicht mehr erträgt und sich in Macao ein neues Leben sucht. Oder der Filmemacher und Aktivist Popo Fan dokumentiert in „Papa Rainbow“ (China 2016) die Auseinandersetzung chinesischer Väter mit ihren queeren Kindern. Sein Dokumentarfilm ist sehr berührend, weil er die emotionalen Folgen sozialer Stigmatisierung deutlich macht.

In der queeren Berliner Community und innerhalb der deutschen Gesellschaft wird das Thema Rassismus im Moment verstärkt diskutiert. Für diese Diskussion spielen Menschen mit asiatischen Wurzeln und ihre Rassismuserfahrungen allerdings kaum eine Rolle. Woran könnte das liegen? Es mangelt deutschen Institutionen und Organisationen an Bewusstsein für gesellschaftlich und politisch umgesetzte Diversität, daher werden einfach keine Asiatischen Deutschen zu Talk-Shows, Panels etc eingeladen oder anderweitig nach ihrer Meinung gefragt. Gender hat sich inzwischen als „Mainstreaming“-Aufgabe in vielen Bereichen durchgesetzt, aber in Hinsicht auf „Ethnizität“ hinkt Deutschland dem englischsprachigen Raum um zwei Jahrzehnte hinterher. Seit 2006 gibt es den Verein korientation e.V., weil wir aktiv zu mehr Sichtbarkeit von asiatischen und asiatisch-deutschen Perspektiven in Deutschland beitragen wollten. Wir wollen bewusst die Perspektive der zweiten Generation von Asiatischen Deutschen in die Diskussion um Migration, Rassismus und die Vision einer vielfältigen und offenen Gesellschaft einbringen. LGBT/queer-sein ist für uns ein Thema unter anderen, das immer intersektional eingebunden diskutiert wird.


Kimiko Suda, Kuratorin des Asian Film Festival Berlin

Asian Film Festival Berlin, 07.–14.10., Ballhaus Naunynstraße
Programm unter:
asianfilmfestivalberlin.de




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