Schwules Museum*

Verstrickter Helden-Sohn: „Siegfried Wagner“-Ausstellung

Warum die Berliner Schau „Siegfried Wagner. Bayreuths Erbe aus andersfarbiger Kiste“ im Schwulen Museum* eine Sensation ist

Genie im Schatten: Siegfried und Richard Wagner (Karikatur) © Internationale Siegfried Wagner Gesellschaft/Schwules Museum*

19.02.17 – Mit seiner neuen Ausstellung über den Komponisten, Dirigenten und Festivalleiter Siegfried Wagner ist dem Schwulen Museum* ein richtiger Coup gelungen. Was für eine Fülle an Details, die einem den Menschen und seine Epoche nahe bringen. Was für ein komplexes Geflecht an Bezügen quer durch die Jahrhunderte bis heute. Und alles anschaulich vermittelt in einer klaren, ansprechenden Ausstellungsdramaturgie, die Interesse weckt. Neben den vielfältigen Exponaten gibt es Hörstationen und Filmausschnitte, um sinnlich in diesen Kosmos einzutauchen.

Viel Gepäck: Siegfried, der Sohn von Richard Wagner und Cosima von Bülow, Enkel von Franz Liszt und Patenkind von Bayernkönig Ludwig II., erhielt seinen Vornamen nach dem tragischen Helden, der in Papas Hauptwerk „Der Ring des Nibelungen“ die Welt retten soll. Siegfried Wagner selbst hatte die Aufgabe, die vom Vater Richard gegründeten Bayreuther Festspiele weiterzuführen. Er war damit eine der prominentesten Persönlichkeiten Europas. Stand im Fokus der Öffentlichkeit. Und er liebte in jenen Zeiten Männer. Wie solch ein Leben am Vorabend der Moderne verlief, das zeigt die Schau, die dank der Kooperation mit der Siegfried Wagner Gesellschaft und dem Richard-Wagner-Museum Bayreuth mit zahlreichen Leihgaben und neuesten Forschungsergebnissen aufwarten kann, facettenreich und mit Haltung: Von schwulen Subkulturen um die Jahrhundertwende über Begegnungen mit Oscar Wilde, schwul-lesbischen Künstler*innen in Bayreuth, Erpressungsversuchen und zwischenzeitlichen Fluchten nach Ostasien bis zu den unseligen Verstrickungen der Wagner-Familie mit dem NS-Regime und den Wiederentdeckungen von Siegfried Wagners eigenen Opern für die Bühne. Und auch zu den queeren Bezügen in den Musikdramen Richard Wagners und weshalb so viele Schwule dieser Musik erlegen sind, gibt es aufschlussreiche Hinweise. Eine der großen Stärken der Ausstellung ist nicht zuletzt, dass sie Widersprüche und bislang ungelöste Fragen offen aufzeigt, alles im Diskurs auf der Höhe der Zeit. Als spannendes Zeitpanorama garantiert nicht nur etwas für Opernfans.

Eckhard Weber

Ausstellung: „Siegfried Wagner. Bayreuths Erbe aus andersfarbiger Kiste“, 17.02.–26.06.2017, Schwules Museum*




Diese Website verwendet Cookies und Google Analytics. Wenn Sie diese Website weiter nutzen, stimmen Sie dem zu.
Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

OK